Atmosphärische Einflüsse beim Fotografieren 1)

Nicht nur die Luftmoleküle ( siehe Rayleigh-Streuung ), sondern auch der Wasserdampf ist für die Trübung der Atmosphäre verantwortlich. Wasserdampf absorbiert Rot- und Infrarotlicht. Hohe Luftfeuchtigkeit reduziert das Himmels-blau.

Ein besonderes Problem des Dunstes stellt die Luftverschmutzung dar. Kurz-wellige Strahlung wird besonders stark durch Abgase und Schmutzpartikel absorbiert, was zu einer erheblichen Reduzierung bzw. zur totalen Unter-drückung der Ultraviolettstrahlung führt. Selbst die sichtbare kurzwellige Strahlung violett und blau wird durch Abgasdunst geschwächt. Die Farbtemperatur kann bis auf Werte um 4500 K absinken. Diese Gegebenheit bedingt eine bewegliche Filtertechnik besonders bei der Farbfotografie.

Nebel kann nicht wie Dunst gefiltert werden, da der hohe Wasserdampfgehalt und die Wassertröpfchen Wärmestrahlung absorbieren, das Aufnahmelicht wird dadurch blauer. Es ist ein rot getöntes Konversionsfilter anzuraten. Aufnahmen im Nebel sind besonders geeignet für Farbverfremdung mit blaugrünen bis blauen Filtern. Die Aufnahme wirkt stimmungsvoller und glaubhafter, wenn diese Filter verwendet werden.

Bemerkenswert ist hierbei noch, daß die Größe der Wassertropfen die Farbe des Lichtes beeinflußt. Auch hier ist die Natur in ihrem Verhalten nicht starr und hundertprozentig bestimmbar. Aber gerade durch das immer etwas veränderte Verhalten schafft diese uns immer neue Eindrücke und Motive.

Das Licht im Schatten ist durch die starke Streuung des kurzwelligen Lichtes immer blauer als an sonnigen Aufnahmepunkten. Abhilfe schafft ein Konversionsfilter KR 1,5 ( Skylight-Filter ). In tiefen Tälern im Gebirge kann sogar ein KR 3 notwendig werden. Im Schatten des Waldes verändert sich der Farbstich nach blaugrün bis grün. Es ist dann ein Magenta-Farbkorrekturfilter M 10 zu empfehlen.

Rayleigh-Streuung ( Luftstreuung )

Das Licht wird beim Durchgang durch die Luft an den Molekülen des Sauerstoffs, des Stickstoffes und anderer Gase gestreut. Je kürzer die Wellenlänge, desto größer werden für die entsprechende Lichtfarbe die Hindernisse und um so stärker wird diese gestreut. Ein gewisser Anteil des Lichtes erreicht das Auge also nur über den Umweg der Luftstreuung. Das Bild des Gegenstandes wirkt für unser Auge wie für das Fotoobjekt verschwommen und undeutlich. Verstärkend auf diesen Effekt wirkt noch der Dunst. Die Konsequenz aus der Rayleigh-Streuung ist die Verwendung von Rot und Infrarot bei Fernaufnahmen, weil dieses Licht von den Luftmolekülen kaum behindert wird.

Von großer Bedeutung bei Außenaufnahmen ist das Streulicht, siehe Rayleigh-Streuung. Einfluß auf die Fotografie hat hauptsächlich die Streuung des Lichtes in der Luft, die das Sonnenlicht sehr wesentlich verändert.

Streulicht entsteht auch im trüben, verschmutzten Wasser. Milch wirkt durch Lichtstreuung weiß. Die Erscheinung, daß Milch in Verdünnung bläulich erscheint, hat im Grunde eine ähnliche Ursache wie die Himmelsbläue. Auch Tabakqualm zeigt diesen Effekt deutlich. Folglich kann man ein verqualmtes Lokal mittels Rotfilter durchdringen.

Himmelspolarisation

Das Licht der Sonne wird beim Durchgang durch die Atmosphäre teilweise polarisiert. Rechtwinklig zur Sonne ist die Polarisationswirkung am größten. Der Grad der Polarisation hängt im wesentlichen von dem Zustand der Atmosphäre ab. In reiner Luft erreicht der polarisierte Lichtanteil seinen höchsten Wert, bei starker Luftverschmutzung kann die Himmelslichtpolarisation ganz verschwin-den. Siehe auch Polarisationsfilter im Einsatz.

Ohne den Einsatz von Filtern ist die Wolkenwiedergabe auf dem Film unbefriedigend. Bei Schwarzweißfilm wirken Gelb-, Grün-, Orange- und Rotfilter auf die Wolkenwiedergabe verstärkend. Blaufilter und Violettfilter unterdrücken diese.

Bei Farbfilm ist das Polfilter in Kombination mit KB 1,5 oder KR 1,5 geeignet, Wolken hervorzuheben. Blau macht die Wolken heiter und freundlich, bei rötlichen Filtern wirkt die Wolkenwiedergabe gewitterhaft. Wolken sind Anhäufungen von Wasserdampf in Form feinster Tröpfchen. Da Wasser Infrarot absorbiert, können Wolken nicht von Infrarotlicht durchdrungen werden. Motive hinter Wolken können auf Infrarotfilm also nicht sichtbar gemacht werden. Dies gerade im Gegensatz zum Dunst.

Die See spiegelt wie die Schneeflächen der Gletscher erhebliche Mengen Ultraviolettlicht. Die Aufnahmen werden dann oft blaustichig oder ausgebleicht. Ein UV-Sperrfilter oder bei hochstehender Sonne ein Skylightfilter KR 1,5 ist unbedingt zu verwenden. Auch ein Polarisationsfilter ist sehr hilfreich.

Mit abnehmender Dichte der Luft sinkt die Absorptionsleistung der Atmosphäre. Das Tageslicht ist in der Regel heller, die Stärke der UV-Strahlung wird größer und immer kürzere Lichtwellenlängen können die Luftschicht noch durchdringen. Das Himmelslicht wird blauer und der polarisierte Anteil steigt an. Polfilter-aufnahmen geben bei voller Löschung einen fast schwarzen Himmel wieder. Bei Sonnenschein im Gebirge ist immer ein UV-Sperrfilter oder ein UV-absorbie-rendes Skylightfilter angebracht.

1)  "B+W-Filter und Trickvorsätze. Ihre richtige Anwendung für bessere Aufnahmen bei Foto und Film." von Arnold Mellert u. Dietrich Oppitz, 1978, ISBN 3-7949-0319-6 (vergriffen), mit freundlicher Genehmigung des Fachverlags Schiele&Schön


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