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Fotofilter-Charakteristik 1)

Licht, die Grundlage der Fotografie, ist ein von Fall zu Fall unterschiedliches Gemisch zahlreicher Farben, vom kurzwelligen Violett über Blau, Grün, Gelb, Orange bis schließlich zum tiefen Rot.
 

Bild 1: Lichtspektrum

Jede dieser Lichtfarben und jede aus verschiedenen Anteilen dieser Farben zusammengesetzte Lichtart wirkt unterschiedlich auf das Filmmaterial bzw. den Sensor. Die Beherrschung und Steuerung dieser unterschiedlichen Wirkungsweisen führt auf direktem Weg zur Filtertechnik. Mit Filtern läßt sich die Fotografie über die Grenzen des sichtbaren Lichtes hinaus durchführen, und mit Filtern wird es erst möglich, die für Grenzgebiete (Infrarot, Ultraviolett) geschaffenen Spezialfilme wirkungsvoll zu verwenden.

Bild 2: Charakteristische Filterkurve

Fotofilter sind durch ihre charakteristische Filterkurve bzw. Transmissionskurve definiert. Ein Beispiel sehen Sie in Bild 2. Im Kopfteil des Diagramms sind die Lichtfarben vermerkt, darunter die dazugehörigen Wellenlängen. Auf der linken Seite ist die Lichtdurchlässigkeit - auch Transmission genannt - in Prozent eingetragen, also der Anteil des Lichtes, der vom Filter nicht zurückgehalten (absorbiert) wird. Auf der rechten Seite ist die Absorption ebenfalls in Prozent angegeben, wobei diesem Anteil die Reflexionsverluste zugeschlagen werden. Beide Anteile ergänzen sich folglich immer zu hundert.

Der über der Kurve liegende Anteil des Lichtes wird zurückgehalten (schraffierte Fläche), der untere Teil hindurchgelassen. Der Bereich von 380 bis 780 Nanometer entspricht dem Empfindlichkeitsbereich des menschlichen Auges. Die beiden Begrenzungen bei 400 und 700 Nanometer dokumentieren den normalen fotografischen Bereich.

Verfolgen wir nun die Kurve: die Durchlässigkeit des Filters beginnt etwas oberhalb 350 nm. Bei 380 nm - dort, wo das Auge zu sehen beginnt - werden bereits 25% der Strahlung durchgelassen; entsprechend (rechte Skala) 75% zurückgehalten (absorbiert). Bei 400 nm, im tiefen Violett, beträgt die Durchlässigkeit schon 77%, nur noch 23% werden absorbiert. Die größte Durchlässigkeit hat das Filter bei 430 nm mit 92%. Ab hier fällt die Kurve rasch ab. Bei 500 nm (blau-grün) ist die Durchlässigkeit wieder auf 20% abgesunken, bei 550 nm auf 5%. Von hier steigt die Durchlässigkeit stetig an; bei 700 nm 25%, bei 780 nm 45%. Die Kurve ist also nichts anderes als die Aneinanderreihung zahlloser Meßpunkte. Zur groben Information können immer die im Kopf des Diagramms vermerkten Farben im Zusammenhang mit der Kurve beurteilt werden.

Im Fall der Beispielkurve in Bild 2 weist die hohe Durchlässigkeit im Violettbereich direkt auf die Farbe des Filters hin - das durchgelassene Licht muß entsprechend der hohen Violettdurchlässigkeit auch violett erscheinen. Das Verständnis der Filterkurve ist also von keiner Geheimwissenschaft abhängig.

Lichtquellen strahlen unterschiedliche Anteile der einzelnen Lichtarten ab. Tages-licht hat z. B. einen viel größeren Anteil blauen Lichts in seiner Gesamtstrahlung als eine Glühbirne. Die Konsequenz daraus müssen unterschiedliche Verlängerungs-faktoren für die Filmbelichtung sein. Aber auch die Filmempfindlichkeit hat Einfluß auf den Verlängerungsfaktor. Jeder Film,  jeder Sensor "sieht und empfindet" Licht entsprechend seiner Sensibilisierung mit anderem Ergebnis.

Die Verlängerungsfaktoren, auch Filterfaktoren genannt, werden bei B+W Filter unter genau definierten Bedingungen ermittelt. Sie sind für einen weiten Durchschnittsbereich zutreffend. Dennoch können sie nicht für jede Aufnahmesituation gelten. Optimale Filterungseffekte setzen stets für die betreffende Aufnahme optimale Belichtung voraus. Diese wiederum kann nie eine Konstante sein. Farbtemperatur und Einfallswinkel des Lichts verändern sich mit Tages- und Jahreszeit beträchtlich - mit ihnen die Filterwirkung. Ebensogut gilt es Rücksicht zu nehmen auf abweichende Themen und Bildaussagen. Dazu kommt eine Vielzahl unvorhersehbarer technisch verursachter Ein-flüsse, z.B. Nuanacierungen in der Reaktion der Filme, der Ent-wicklung, Toleranzen der Kamerafunktionen u.v.a.m.

Filterfaktoren sind also tatsächlich Richtwerte, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie geben eine solide Basis, auf der man ganz individuellen Wünschen und praktischen Gegebenheiten angepaßte Erfahrungen sammeln kann.

 


1) "B+W-Filter und Trickvorsätze. Ihre richtige Anwendung für bessere Aufnahmen bei Foto und Film." von Arnold Mellert u. Dietrich Oppitz, 1978, ISBN 3-7949-0319-6 (vergriffen), mit freundlicher Genehmigung des Fachverlags Schiele&Schön


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